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Wir Palästinenser haben einen großen Freund verloren
Zum Abschied von Hans-Jürgen Wischnewski |
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Wir Palästinenser haben einen großen Freund verloren. In tiefer Trauer verneigen wir uns vor einem treuen Freund und Begleiter, der sich wie kaum ein anderer um die palästinensische Sache, das Selbstbestimmungsrecht des palästinensischen Volkes und den Friedensprozess im Nahen Osten verdient gemacht hat.
Viele Palästinenser haben ihm persönlich viel zu danken: Es war Hans-Jürgen Wischnewski der dafür sorgte, dass Palästinenser Stipendien bekamen und in Deutschland ihre Ausbildung fortsetzen konnten. Er war stets an unserer Seite auch zu einer Zeit, als niemand Kontakt mit uns halten wollte. Ihm ist es zu danken, dass die palästinensische Stimme hier in Deutschland in den Medien Gehör fand. Er hat uns den Weg in die deutsche Politik und die deutsche Gesellschaft geebnet.
Er war für uns Palästinenser immer ein guter Ratgeber. Unermüdlich setzte er sich für ein Zusammenwirken zwischen Deutschen und Palästinensern ein: Als Gründervater der Städtepartnerschaft zwischen Köln und Bethlehem hat er sich große Verdienste erworben. Die fruchtbare Partnerschaft zwischen beiden Städten wäre ohne sein unermüdliches Wirken nicht zustande gekommen. Zu Ehren seiner Verdienste wurde auf Veranlassung Präsident Arafats, dem Hans-Jürgen Wischnewski zeitlebens in Freundschaft verbunden war, eine Briefmarke gedruckt. Beide Politiker verband eine tiefe Freundschaft. Trotz überstandener, schwerer Krankheit, ließ er es sich denn auch nicht nehmen seinem Freund die letzte Ehre zu erweisen: Er scheute keine Mühe und nahm im vergangenen November als Vertreter Deutschlands an den Trauerfeierlichkeiten für Yasser Arafat teil.
Seine Zuneigung und sein Engagement für die arabische Welt reichen weit zurück: Bereits als Vorsitzender der Jungsozialisten sammelte er erste Erfahrungen mit der arabischen Welt: Damals unterstützte er die Befreiungsbewegung in Algerien. "Ben Wisch", so wurde er liebevoll nicht nur von seinen arabischen Freunden genannt, wurde immer mehr zu einem herausragenden Kenner der arabischen Welt. Politik, seine große Leidenschaft, betrieb er nicht um ihrer selbst Willen. Er war ein Freund der Menschen, der Politik machte, weil er die Lebensumstände der Menschen ändern wollte. Überall, wo er tätig war, im Nahen Osten oder auch in Mittelamerika, hat er mitgeholfen, mehr Freiheit und Demokratie, mehr Solidarität und Gerechtigkeit zu verwirklichen.
Wir Palästinenser verlieren in Hans-Jürgen Wischnewski einen Freund und einen Vertrauten, der eine große Lücke hinterlässt. Er hat den Friedensprozess im Nahen Osten geprägt wie kein anderer. Er wird unvergessen bleiben.
Ich persönlich trauere um einen engen Freund und Weggefährten, der mir auf einem oft schwierigen politischen Weg ein guter, verlässlicher Ratgeber war. Sein Rat, seine Freundschaft, seine Herzlichkeit werden mir fehlen.
Abdallah Frangi
Generaldelegierter Palästinas in Deutschland
Gaza, 25. Februar 2005 |
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