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Generaldelegation Palästinas
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Die Stimme des palästinensischen Volkes

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Mahmoud Darwish

Die Generaldelegation Palästinas trauert mit ihrem Volk um die Stimme Palästinas:

Die palästinensische Tragödie, die Trauer um den Verlust der Heimat und das Exilschicksal des palästinensischen Volkes bestimmten die Werke des größten Dichters Palästinas und des einflussreichsten zeitgenössischen Lyrikers der arabischen Sprache – Mahmoud Darwish.

Die Liebe zu Palästina und die schmerzhaften Erfahrungen der Vertreibungen, die der am 13. März 1941 in dem kleinen Dorf Al-Birweh bei Akka geborene Mahmoud Darwish machte, sind die wichtigsten Komponenten in seinen Gedichten und Prosawerken. Seine Dichtungen sind geprägt von der Flucht in den Libanon im Jahr 1948, der heimlichen Rückkehr in das von israelischen Terrororganisationen zerstörte Dorf im darauffolgendem Jahr, dem Leben unter israelischer Militärherrschaft, und insbesondere von dem ihm zugeschriebenen Status des „present-absent-alien“. Das in seiner Lyrik beschriebene und immerwährende Gefühl im Exil zu sein -  er bezeichnete sich selbst als ein Exilierter auf heimatlichen Boden – die formulierten Wünsche nach Unabhängigkeit und Frieden in einem eigenen Staat, erhoben ihn zu dem Dichter des palästinensischen Volkes und der palästinensischen Revolution.

So sagte der Lyriker einst selbst: „Jede Faser meines Körpers und meines Seins ist geprägt von jeder Krume meiner Heimaterde. Sie und ich – jeder von uns beiden ist Teil des anderen. Das Schicksal hat es gewollt, dass meine individuelle Stimme in einer kollektiven aufging, und dass mein Volk sich in meiner Stimme wiedererkennt.“

Die Poesie als Waffe gegen die Besatzungsmacht einzusetzen – die Möglichkeit dieser Instrumentalisierung erfuhr Darwish schon in jungen Jahren. Als 14-jähriger trug er auf einer Schulfeier sein erstes Gedicht vor, wurde von israelischen Militärbehörden noch am selben Tag verhaftet und brutalen Verhören und Drohungen unterworfen. Allein diese Erfahrung zeigte ihm, dass er mit seinen Gedichten aufrütteln und all diejenigen ermutigen kann, sich gegen diejenigen aufzulehnen, die die Heimat geraubt haben.

Mit 19 Jahren erkannte der Lyriker, dass allein poetische Worte als Widerstandsform nicht genügen, und begab sich mit dem Eintritt in die Kommunistische Partei Israels (Rakach) auf das politische Parkett. Zeitgleich arbeitete Darwish als Redakteur und Übersetzer bei verschiedenen Zeitungen, so unter anderem bei Al-Ittihad (Die Einheit), Al-Jadid (Das Neue) und Al-Ghad (Der Morgen). Bis 1971 wurde Darwish infolge seines politischen Engagements und seiner Poesie regelmäßig verhaftet und stand seit 1969 insgesamt drei Jahre unter Hausarrest. 

Schon in diesen frühen Jahren erlangte der Poet seine unwiderrufliche Berühmtheit, insbesondere mit seinem Gedicht aus dem Jahre 1964: „Identitätskarte – Schreib auf: Ich bin Araber“. Es folgten weitere Verse wie „Ich sehne mich nach dem Brot meiner Mutter“ (1966) und „Ein Soldat, der von weißen Lilien träumte“ (1967), die ihn zu einem der großartigsten Dichter in der arabischen Welt machten und zugleich die Barrieren durchbrachen.

Seine lyrische Stimme wurde erhört in den palästinensischen Flüchtlingslagern des Libanons, Syriens und Jordaniens und weltweit. Seit Mitte der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts strömten die Menschen in Beirut, in Damaskus, in Casablanca und in Kairo zu seinen Lesungen. An den Universitäten, in literarischen und politischen Klubs wurden seine Gedichte rezitiert. Jedes Kind und jede Generation kannte seine Verse und trug sie mit Tränen in den Augen vor.

Schon damals sprach der ägyptische Literaturkritiker Rajah Al-Nakasch „von einem neuen Atem in der palästinensischen und arabischen Poesie“.
1972, nach Beendigung des Hausarrestes, ging Darwish zur Weiterbildung nach Moskau. Dort beschloss er, sich aktiv an der palästinensischen Revolution zu beteiligen. Über Ägypten erreichte er Beirut und übernahm dort den Vorsitz des palästinensischen Research Centers und leitete als Chefredakteur die Zeitschrift „Palästinensische Angelegenheiten“. Neben seiner Arbeit als Präsident des Verbandes der palästinensischen Schriftsteller und Journalisten gründete er 1981 in Beirut die kulturelle Zeitschrift Al-Karmel, deren Chefredakteur er bis zu seinem Tod blieb.

Als die israelische Armee 1982 in Beirut einmarschierte, war auch Mahmoud Darwish in der belagerten Stadt und erlebte täglich die grausamen Gewalttaten. Ein Jahr später veröffentlichte er den Prosatext „Eine Erinnerung für das Vergessen“, der heute bei arabischen und europäischen Kritikern als der beste Augenzeugenbericht der damaligen Ereignisse angesehen wird.

Die zweite gewaltsame Vertreibung aus dem Exilland führte ihn nach Paris und Tunis, von wo aus er seine politische Arbeit fortsetzte und so unter anderem zahlreiche bedeutende Reden für Yassir Arafat schrieb. 1987 wurde Darwish in das Exekutivkomitee der PLO gewählt und verfasste im folgenden Jahr die Unabhängigkeitserklärung.

Im Zuge der Friedensverhandlungen Anfang der 1990er Jahre und des Abschlusses des Osloer Abkommens legte Darwish aus Protest seine politischen Ämter nieder und trat aus dem Exekutivkomitee 1993 aus.

Wie seine politische Arbeit so wurde auch seine poetische Arbeit gewürdigt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Seine letzte Gedichtsammlung erschien im vergangenen Jahr. „Du bist jetzt ein Anderer“ und beschäftigt sich mit dem palästinensischen Volk in den besetzten Gebieten.

Der traurige Revolutionär Mahmoud Darwish verstarb am 09. August 2008 in einem Krankenhaus in Houston/Texas. Sein Tod hinterlässt eine kaum zu füllende Lücke im Herzen des palästinensischen Volkes wie schon zuvor Edward Said, Emil Habibi und Ghassan Kanafani, denn es verlor diejenigen, die seine existenzielle Not und sein Leid weltweit verkörperten.

Im Folgenden veröffentlichen wir zwei seiner Gedichte aus dem im Jahr 2002 veröffentlichen Lyrikband „Weniger Rosen“.

 

ICH WERDE DIESEN WEG ZURÜCKLEGEN

Ich werde diesen langen Weg zurücklegen,
         diesen langen Weg, bis ans Ende.
Bis ans Ende des Herzens werde ich diesen
         langen, so langen Weg zurücklegen …
Da ich nur noch den Staub zu verlieren haben
         Und was tot ist in mir, und die Palmenreihe
Zeigt an, was abwesend ist. Ich werde die Palmenreihe
         Durchqueren. Braucht eine Wunde ihren Dichter,
Um der Abwesenheit einen Granatapfel zu
         zeichnen? Ich werde euch auf dem Dach des Wieherns
Dreißig Fenster für die Metapher bauen. Drum steigt
         aus dem einen Umherreisen aus, um in ein
anderes einzutreten.
Mag es auf Erden engs sein für uns oder nicht,
wir werden diesen langen Weg zurücklegen,
Bis ans Ende des Bogens. Mögen unsere Schritte zittern
         wie Pfeile. Waren wir erst vor kurzem hier,
Und werden wir bald den Pfeil des Anfangs erreichen? Die
Winde haben sich mit uns gedreht, ja gedreht, was
sagst du dazu?

Ich sage: Ich werde diesen langen Weg zurücklegen,
bis ans Ende … Bis ans Ende meiner selbst

 

ICH BIN VON DORT

Ich bin von dort. Und ich hab’ Erinnerungen. Ich bin
         geboren, wie die Leute so geboren werden. Ich habe
         eine Mutter
Und ein Haus mit vielen Fenstern. Ich habe Brüder.
         Freunde. Und einen Kerker mit einer kalten
         Fensterluke.
Und ich habe eine Welle, von den Möwen geraubt. Ich
         hab meine eigene Umgebung. Ich hab einen
         Grashalm mehr
Und einen Mond am äußersten Rande des Wortes, die
         Nahrung der Vögel und einen unsterblichen Olivenbaum.
Ich bin zur Erde gekommen, bevor die Schwerter über
einen Körper kamen und ihn zum Gastmahl machten.
Ich bin von dort. Ich gebe den Himmel seiner Mutter
         zurück, wenn er um seine Mutter weint,
Und ich weine, damit die zurückkehrende Wolke mich
wiedererkennt.
Ich habe, um die Regel zu brechen, jedes Wort gelernt,
         das geeignet ist für das Blutgericht.
Ich habe die ganze Sprache gelernt und habe sie zerlegt,
         um ein einziges Wort zu formen,
Das lautet: Heimat.

 

  Über sein Leben und über weitere Gedichte können Sie sich auf der persönlichen Seite von Mahmoud Darwish informieren.
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