Beton ist in den jüngsten Arbeiten von Christoph Weber ein Grundelement seiner primären bildhauerischen Gesten. Für ihn sind sowohl Symbolkraft wie Beschaffenheit dieses Werkstoffs von immanenter Bedeutung, lässt sich mit ihm doch der Akt der Bearbeitung als performatives Moment sinnfällig machen.
Destruktivität steht bei Webers Arbeiten in einem vielschichtigen Verhältnis zu Konstruktion und Materialität. In seiner Ausstellung „loose concrete“ kommt Ton als zweiter Werkstoff zentral zum Einsatz. Weber bewirft die lange Wand der Galerie mit Ton, schreibt die kinetische Energie in das Material ein und assoziiert als schablonenhafte Wandarbeit die Betonmauer in Jerusalem, die bei einer Höhe von bis zu 10 m jene Aggression nur verschiebt, die sie vorgibt zu verhindern.
Die Serie jeweils zweier Betonquader, aus denen Ecken ausgebrochen wurden, welche im Gegenstück zur Ergänzung werden, machen auf gänzlich andere Art die Spuren von Aggression im Material sichtbar. Hingegen arbeitet „Untitled (Base)“ mit dem Entstehungsprozess von Beton selbst. Ein Gemisch aus Zement und Sand wird in einer vor der Ausstellung am Boden platzierten Holzverschalung am Rand mit Wasser begossen. Zur Eröffnung ist die Mischung am Wasserrand zu einem fragilen, gezeichneten Betonquadrat abgebunden.
Die Reihe der „Petroglyphen“ repräsentiert den bildhaften Ansatz in Webers Arbeit. Es entstehen Silhouetten von Menschen vor der Betonbarriere, indem Weber die Mauerflächen wegkratzt. Die Ohnmacht der Personen im Verhältnis zu Größe und Gewalt der Betonteile der Mauer wird psychisch nachvollziehbar.
Ein weiterer „zeichnerischer“ Zugriff sind Webers „Betonsprayungen“. Er bedient sich dabei einer Sprühflasche, um mit Wasser im Gemisch aus Sand und Zement Zeichnungen von Bauhaus-Gebäuden in Tel Aviv zu fertigen. Die architektonisch konstruktive, positiv besetzte Verwendung von Beton kommt hier zur Sprache.
Die „Tonzeichnungen“ thematisieren Anschläge und Militäroperationen beider Seiten des Nahostkonflikts, die Weber mit einer Nadel in Ton ritzt. Sie werden in weißen Metallkästen an der Wand verschlossen, die nur für eine kurze Betrachtung geöffnet werden können, damit der Ton nicht austrocknet. Jeder Kasten beinhaltet israelische und palästinensische Ereignisse und die Opfer gegenseitiger Produktion von Gewalt.
Veranstaltungsdaten:
Bis zum 21. August 2010
Veranstaltungsort:
Galerie nächst St. Stephan
Grünangergasse 1/2
1010 Wien/Österreich
Seit den 1980er Jahren ist Mona Hatoum mit Performances, Skulpturen und raumgreifenden Installationen weltweit in Museen und zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten, u.a. auf der Biennale in Venedig und der Documenta in Kassel.
Die Künstlerin formuliert bereits in ihren frühen Performances eine konsequent bis heute verfolgte Formensprache, die sich aus der Minimal Art und der Konzeptkunst entwickelt hat.
Die 1952 im Libanon geborene Tochter palästinischer Eltern integriert in ihre Arbeiten von Anbeginn politische Inhalte und persönliche Erfahrungswerte, die als Referenz auf ihre Wurzeln im Nahen Osten und auf die in Westeuropa verbrachten Lebensjahre zu verstehen sind. Von Performances und Videoarbeiten ausgehend, wendet sie sich seit den 1990er Jahren raumgreifenden Installationen und zunehmend skulpturalen Arbeiten zu, in die der Betrachter aktiv einbezogen wird. Hatoums Formen- und Materialrepertoire umfasst neben Fotografie und bewegten Bildern u.a. Alltagsgegenstände, mit denen sie einerseits an das Erinnerungsvermögen des Betrachters appelliert, ihn aber auch irritieren und bedrohen will.
„Al-Nakba - Die Katastrophe: Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“
Eine Ausstellung des Vereins Flüchtlingskinder im Libanon e. V., Tübingen
Das Jahr 1948 bedeutete für die palästinensische Bevölkerung die nationale Katastrophe (al-Nakba). Das palästinensische Volk wurde zu einem Volk von Flüchtlingen. Die Thematisierung der Flucht und Vertreibung dieser Menschen - gilt bis heute vielfach als Tabubruch. Die Organisatoren sind davon überzeugt, dass ohne die Kenntnis und ohne eine gebührende Anerkennung dieses Teils des Konflikts Aussöhnung, Gerechtigkeit und Frieden im Nahen Osten keine Chance haben werden. Hierzu will die Ausstellung einen Beitrag leisten.
Veranstaltungsdaten:
April bis September 2010
Veranstaltungsort:
10. April bis 24. April 2010; Düren (Bürgerbüro am Markt)
18. April bis 24. April 2010; Ebersbach-Roßwälden/Weiler (Ev.Kirchengemeinde)
14. Mai bis 06. Juni 2010; Hannover (Volkshochschule)
12. Mai bis 16. Mai 2010; München (Ökumenischer Kirchentag)
18. Mai bis 13. Juni 2010; Berlin (Geschäftsstelle, Die Linke, Neukölln, Richardplatz 16)
13. Juni bis 26. Juni 2010; Tübingen ("Lamm" am Markt)
17. Juni bis 30. Juni 2010; Frankfurt (DGB-Haus)
28. August bis 08. September 2010; Siegen (Nikolaikirche)
05. September bis 26. September 2010; Heilbronn (Nikolaikirche)
14. September bis 05. Oktober 2010; Kaiserslautern; (Protestantische Stiftskirche)
Das nach eigenen Angaben "weiträumigste virtuelle Museum der Welt" eröffnet im April 2007 den neuen Ausstellungszyklus "Discover Islamic Art in the Mediterranean". Auf den Internetseiten werden über 600 Kunstgegenstände aus vierzig Museen und mehr als 200 Architekturdenkmäler aus14 Ländern gezeigt.
Die 18 thematisch gegliederten virtuellen Ausstellungen präsentieren das künstlerische Erbe der islamischen Dynastien im Mittelmeerraum. Mittels Texten in acht Sprachen und einer Einordnung in den historischen Kontext werden die Exponate dargestellt. Ins Leben gerufen wurde das Projekt, das weitgehend von der EU finanziert wird, von der Organisation "Museum ohne Grenzen".
Die Abbildung zeigt ein kleines Gefäß aus Hagira datiert 8. Jh. (christl. Zeitr.)/ 14. Jh. islamische Zeitr./Archäologisches Nationalmuseum in Madrid/Spanien).
Fortsetzung der Ausstellungsreihe der Universität Birzeit
Die Universität Birzeit, in der Westbank, hat in diesem Frühjahr ein neues Internetportal geschaffen: Palästinensern und Palästinenserinnen sowie jedem an palästinensischer Kunst Interessierten werden akademische Kurse in palästinensischer, arabischer und zeitgemäßer internationaler Kunst geboten.
Die "Paltel Virtual Gallery" ist ein Schritt in Richtung kulturellem Verstehen, gerade weil das Leben und die Kultur der Palästinenser außerhalb des Nahen Ostens weitgehend unbekannt sind. Jeden Monat wird ein Künstler oder eine Künstlerin mittels Vita, Interviews, weiterführenden Beiträgen und natürlich verschiedener Kunstobjekte und -gegenstände auf den Seiten des neuen Internetportals der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Reihe begann mit der Künstlerin Suha Shoman.
Beinahe täglich, wenn man die Zeitung aufschlägt oder Nachrichten im Rundfunk oder Fernsehen verfolgt, ist von Gewalt und Terror im Nahen Osten die Rede. Der politische Dialog scheint an seinem Ende angekommen zu sein. Hass und Fanatismus, Wut und Rache sind die vorherrschenden Gefühle auf beiden Seiten. Umso bemerkenswerter ist es, dass israelische und palästinensische Künstler mutig und entschlossen die Kommunikation zwischen den verfeindeten Nachbarn aufrechterhalten.
Auf diesem Terrain bewegt sich auch das „Pen-Pal Projekt” (Brieffreundschaften) von Eytan Shouker & Eldad Cidor, das auf der Idee basiert, einen persönlichen Dialog mit Hilfe eines kreativen Prozesses zwischen palästinensischen und israelischen Jugendlichen herzustellen. Die Künstler verteilten an insgesamt fünfhundert Jugendliche Einwegkameras, die nach einer kurzen Einweisung in das Fotografieren und die Bildgestaltung ihre unmittelbare Umwelt dokumentierten. Die entwickelten Fotos erhielten die Teilnehmer als Postkarten zurück, die auch Name und Adresse des Korrespondenzpartners enthielten, der mit Hilfe eines Fragebogens ermittelt worden war. Ohne Vermittler und unter Umgehung aller Grenzposten wurde für viele Teilnehmer dies der erste Versuch, mit dem Anderen freundschaftliche Beziehungen aufzunehmen.
In Suzanna Lauterbachs Projekt „Promised Land/Gelobtes Land”, das während der zweiten Intifada im Sommer 2001 entstanden ist, hat die Künstlerin Einwegkameras willkürlich an Israelis und Palästinenser und an in Israel lebende Ausländer aller Altersstufen verteilt, mit der Bitte, das aufzunehmen, was für sie persönlich das „Promised Land”, das „Gelobte Land” heute bedeutet. Eine Auswahl der Fotos und die Texte der Teilnehmer zu ihren eigenen Bildern geben überraschende Einblicke in die Befindlichkeit des heutigen Israel.