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"Wie in einem sehr großen Gefängnis"

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Bethlehem vor Weihnachten. Mauerbau behindert Zugang. Arafat erneut ausgeschlossen

Die Geburtskirche ist wie leergefegt; wenige Tage vor Heiligabend ist in Bethlehem kein einziger Pilger zu sehen. Der Geburtsstadt Jesu steht ein weiteres trauriges Weihnachtsfest bevor: Tausende Bewohner verloren infolge der seit drei Jahren andauernden Belagerung der Region durch die israelische Armee ihre Arbeit, die Tourismusindustrie liegt am Boden, und viele Geschäfte wurden geschlossen. Präsident Yassir Arafat, für die meisten Palästinenser ein Symbol des Stolzes, wurde von der Scharon-Regierung dieses Jahr erneut ein Besuch der Christmette in Bethlehem untersagt. Tel Aviv gab am Dienstag bekannt, sie wolle Arafat wieder nicht in die Stadt reisen lassen. Bereits in den vergangenen beiden Jahren hatte Israel ihm die 20 Kilometer lange Fahrt aus Ramallah verweigert, wo Arafat praktisch unter Hausarrest steht.

Am Dienstag wirkte Bethlehem wie ausgestorben. Der Gastronom George Dschuha saß in seinem leeren Lokal am Krippenplatz und erzählte wehmütig von Tagen, an denen sich hier Hunderte Urlauber, Diplomaten und Prominente drängten. Stolz zeigte er sein Fotoalbum mit Bildern von 1998, als Abgeordnete des US-Kongresses bei ihm zu Mittag aßen. "Jetzt kommen keine Touristen mehr, deswegen geht das Geschäft sehr schlecht", sagte der 44jährige. Statt der früher üblichen Zahl von mehreren hunderttausend Besuchern hofft Bethlehems Bürgermeister Hanna Nasser in diesem Jahr bestenfalls auf ein paar hundert Gäste. In seiner traditionellen Vorweihnachtsrede warf er Israel am Dienstag vor, für den Niedergang der Stadt verantwortlich zu sein. Der Mauerbau auf palästinensischem Westjordanland habe 4 000 Palästinenser von Bethlehem abgeschnitten. Im vergangenen Jahr bereits stand Bethlehem sieben Monate unter israelischer Besatzung, was die Stadt nach Angaben von Nasser fünf Millionen Dollar kostete. Kurz vor Weihnachten zog Israel damals seine Panzer zurück, errichtete jedoch Kontrollposten vor der Stadtgrenze. "Unsere Stadt ist immer noch eine abgeriegelte Stadt", sagte Nasser. "Wir fühlen uns nicht frei, wir fühlen uns wie in einem sehr großen Gefängnis."


Quelle: AP
18.12.2003
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