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Zeit nach 1948

Vertriebene Palästinenser im Flüchtlingslager.

Die nakba hinterließ eine fragmentierte und geografisch zerrissene palästinensische Gesellschaft. Tausende verloren ihre Familienangehörige, ihre gesamten Besitztümer und fristeten nun in notdürftig errichteten Flüchtlingslagern ein Leben am Rande des Existenzminimums. Jede politische Aktivität wurde von den arabischen Aufnahmeländern strengstens kontrolliert und unterdrückt. Doch gerade in den Flüchtlingslagern war und ist die Sehnsucht nach Palästina, die Erinnerung an das heimische Dorf am lebendigsten. So wuchs in den Lagern eine neue Generation von Palästinensern heran, die durch militärischen Widerstand für die Rückkehr in ihre Heimat kämpften. Zunächst lähmten jedoch die Ereignisse der nakba die Menschen innerhalb und außerhalb der Lager. Auch fehlte ihnen eine zentrale Führung, da die politische Elite, die sich während des Krieges außerhalb des Landes befand, ihre Machtbasis verloren hatte. Es vergingen einige Jahre bis die jungen Palästinenser die nationale Widerstandsbewegungen ins Leben riefen. 

Gründung der BdAn und Fatah
George Habash
George Habash

Eine der ersten politischen Organisationen dieser Art war der "Bund der Arabischen Nationalisten" (BdAN), der 1952 von Studenten der American University of Beirut gegründet wurde. Führende Gestalt der Bewegung war der Palästinenser George Habash. Der BdAN stand ganz im Zeichen des Panarabismus: Um die Befreiung Palästinas zu verwirklichen, müsse es zu einem Zusammenschluss aller arabischen Länder und die Auflösung der von den Kolonialmächten willkürlich gezogenen nationalen Grenzen kommen. Ein Alleingang der Palästinenser im Kampf um die Rückkehr in ihre Heimat gleiche einer Aufkündigung der arabischen Solidarität.

Yassir Arafat (links), Khalil al-Wazir

Eben dies war auch die zentrale Forderung der Fatah. Im Jahr 1959 von Yassir Arafat und Khalil al-Wazir in Kuwait gegründet, propagierte die Fatah die Befreiung Palästinas durch militärischen Widerstand und die Vereinigung aller palästinensischer Kräfte (nationale Einheit).

Erklärtes Ziel war es, aus würdelosen, unterdrückten Vertriebenen wieder ein selbstbewusstes Volk mit unabhängiger Regierung in einem befreiten Palästina zu machen.

Die Ideologie der Fatah wurde bald zum Ausgangpunkt eines eigenständigen, palästinensischen Nationalismus und markierte den Beginn einer neuen palästinensischen Identität: die des Widerstandskämpfers.

Gründung der PLO

Die Fatah und der BdAN wurden zu den dominierenden ideologischen Strömungen innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Unter der Führung von Ahmad Shuqairi war die PLO im Jahre 1964 auf Initiative der Arabischen Liga ins Leben gerufen. Auf ihrer ersten Sitzung am 28. Mai 1964 in Jerusalem verabschiedeten die 422 Delegierten die Nationalcharta, die die Grundlagen der palästinensischen Identität erstmals formulierte und gaben der PLO im "Grundgesetz" einen vorläufigen organisatorischen Rahmen: Der Palästinensische Nationalrat (PNC), das Exekutivkomitee, der Nationalfonds und die Palästinensische Befreiungsarmee (PLA) entstanden, aufgebaut nach demokratischen Regeln und gleichzeitig eine Konsensfindung auferlegten.

Doch die Vorherrschaft der traditionellen Elite innerhalb der PLO und die Kontrolle der arabischen Staaten über dieselbe drohten angesichts zunehmender Guerillaaktionen, durchgeführt von kleinen, aus dem Untergrund operierenden Gruppen, zu entgleiten. Insbesondere nach der israelischen Besetzung des Sinais und des Gaza-Streifens im Zuge des Suezkrieges 1956, währenddessen Israel an der Seite Englands und Frankreichs gegen Ägypten kämpfte, bildeten sich vermehrt palästinensische Untergrundgruppierungen. Sie übten Vergeltung für die auch nach 1948 nicht abreißenden Vertreibungsaktionen und Massaker der IDF an palästinensischen Zivilisten in den Dörfern und Flüchtlingslagern. Ende Dezember 1964 führte Fatah ihre ersten militärischen Aktionen gegen Israel durch, und die Idee des selbstständigen, unabhängigen palästinensischen Widerstandes gewann immer mehr an Boden.

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