Sie befinden sich hier

Inhalt

Islamischer Einfluss

Felsendom zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Felsendom zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Die Welt des Vorderen Orients wandelte sich mit dem Auftreten des Propheten Mohammad im Jahr 610 grundlegend. Der aus der arabischen Stadt Mekka stammende Verkünder des islamischen Glaubens wandte sich gegen die Vielgötterei seiner Stammesgenossen und forderte einen strengen Monotheismus sowie Gehorsam gegenüber den in den Offenbarungen empfangenen göttlichen Geboten.

Nach seiner Auswanderung nach Medina im Jahr 622 (Hidschra) wurde Mohammad Oberhaupt eines sich rasch ausdehnenden Staatswesens. Seine Nachfolger, die vier Rechtgeleiteten Kalifen (Abu Bakr, Umar, Uthman, Ali), eroberten Mesopotamien, zerschlugen das Persische Reich und gelangten von dort aus im Jahre 637 nach Palästina. Jerusalem wurde ohne Kampf und Plünderungen den neuen Machthabern übergeben und trug geraume Zeit später den Namen al-Quds ("Das Heiligtum"). Denn nach Mekka und Medina ist diese Stadt das drittwichtigste Zentrum des Islam: Von hier aus trat Mohammad seine nächtliche Himmelsreise (Mir'ag) an.

Bevor Mekka zur Gebetsrichtung aller Muslime wurde, wandten sie sich zuvor in Richtung Jerusalem. So ließ der Umayyadenkalif Abd al-Malik im Jahre 691 eines der glänzendsten Zeugnisse islamischer Architektur, den Felsendom, auf dem Tempelplatz erbauen: Sein Sohn und Nachfolger Walid ibn al-Marwan errichtete im Jahre 710 die al-Aqsa-Moschee und Jerusalem wurde zur Hauptstadt der Provinz "Filastin" (Palästina).

Seit diesem Zeitpunkt traten die Bewohner Palästinas - insbesondere die Angehörigen der dort lebenden arabischen Stämme (Lakhm, Djudham, Amila, Kinda, Qais, Kinana) - vermehrt zum Islam über. Die arabische Sprache verdrängte auch in den Städten allmählich das Aramäische und der muslimische Glaube wurde neben dem christlichen zu einem wesentlichen Faktor der palästinensischen Bevölkerung.

Friedliches Zusammenleben der Kulturen

Nach dem Tod Alis im Jahre 661, des letzten Rechtgeleiteten Kalifen, begann die Zeit der Umayyadendynastie (661 - 750, Damaskus), welche wiederum von der der Abbasiden (750 - 1258, Bagdad) abgelöst wurde. Es entstand eine zentrale Regierung mit einem prächtigen Hofstaat und einem gut ausgebauten Verwaltungsapparat. Im Laufe des 8. und 9. Jahrhunderts entwickelten sich die vier orthodoxen Rechtsschulen des Islam (Shafiiten, Hanafiten, Malikiten, Hanbaliten). Kunst und Wissenschaften gelangten zur Blüte, Platon und Aristoteles wurden in die arabische Sprache übertragen und in intensiver Auseinandersetzung mit der griechischen Tradition entstanden die ersten Werke arabischer Philosophen (al-Kindi). Auch persische Literatur fand mittelsÜbersetzungen Eingang in das islamische Denken und bereicherte dieses nachhaltig.

Das friedliche Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen regelten besondere Schutzverträge (dhimma). Die dhimma garantierte Christen und Juden, den "Schriftbesitzern" (ahl al-kitab), Bewegungsfreiheit, die Freiheit der Berufswahl und den freien Handel. Ein weiterer zentraler Punkt innerhalb des Schutzvertrages war die Unverletzlichkeit des Kultes und der Kultstätten sowie der kirchlichen Organisation. Im Gegenzug musste jeder wehrfähige Mann eine Kopfsteuer (gizya) entrichten, die der muslimischen Gemeinde als Entschädigung für den gewährten Schutz zukam.

Gegen Ende des 10. Jahrhunderts begann die Macht der Abbasiden zu bröckeln: Lokale Dynastien im Maghreb, Syrien, Ägypten (Fatimiden) und Transoxanien entstanden, und der Abbasidenkalif musste sich unter den Schutz der turkstämmigen Seldschuken (1055) stellen. Auch das oströmische Reich (Byzanz) erweiterte seinen Herrschaftsbereich und bedrohte die nördlichen Grenzen des islamischen Reiches.

Kreuzfahrer erobern Palästina

Die innere Zersplitterung des abbasidischen Weltreiches ermöglichte in den Jahren 1098 und 1099 das Vordringen vier großer Kreuzfahrerheere nach Palästina. Sie waren nach dem Kreuzzugaufruf Papst Urbans II. (1095) ausgezogen, um das Heilige Land und Jerusalem aus "den Händen der Ungläubigen" zu befreien.Über einen Monat belagerten im Sommer 1099 die Heere Jerusalem, bis die Stadt fiel. Eindringliche Berichte zeitgenössischer Muslime erzählten von der Plünderung Jerusalems und der Ermordung von 2.000 Gläubigern in der al-Aqsa-Moschee, in der nun christliche Tempelritter ihr Lager aufschlugen.

Ein Jahrhundert beherrschten die in Jerusalem, Akko, Antiochia und Edessa entstandenen Kreuzfahrerstaaten Syrien und Palästina. Doch ein fruchtbarer Austausch der Kulturen wie etwa in Andalusien, blieb in Palästina aus. Zu starke Gräben verliefen zwischen der einheimischen palästinensischen Bevölkerung und den neuen Eroberern. Während in Palästina und Syrien heute nur noch die eindrucksvollen Burgen von der Herrschaft der Franken zeugen, gelangten mit den Kreuzfahrern Luxusgüter, wie Stoffe und Gewürze, sowie von den Arabern übernommene Waffentechniken und neue Bauweisen nach Europa.

Schließlich gelang im Jahr 1174 Salah ad-Din (Saladin) - eine der großen Gestalten der arabisch-islamischen Geschichte - die Einigung der zerstrittenen arabischen Fürstentümer. Als Herrscher über Ägypten und Syrien eroberte er innerhalb kürzester Zeit die bedeutenden palästinensischen Küstenstädte zurück und erreichte im Jahre 1187 Jerusalem. Damit endete die Zeit des christlichen Königreiches Jerusalem. Zwar verblieben die Kreuzfahrer noch weitere 100 Jahre in der Region, doch ihre Macht war gebrochen und wurde 1291 von den ägyptischen Mamlukenherrschern endgültig zerstört.

Wenige Jahrzehnte zuvor war durch den verheerenden Einfall der Mongolen in Bagdad im Jahre 1258 das kulturelle und politische Zentrum des abbasidischen Reiches zerstört und der letzten großen arabischen Dynastie ein Ende gesetzt worden. Die Herrschaft über das islamische Weltreich ging nun auf die aus Kleinasien stammenden Osmanen über.

Nach oben

Kontextspalte