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03.04.2013 14:39

Deutsche Medien berichten fehlerhaft über Waffenstillstandsbruch

"Provokation durch Palästinenser", "Mehrfach haben Palästinenser die Waffenruhe mit Israel gebrochen" und "Erster Gaza-Luftangriff Israels seit November" sind die reißerischen Überschriften in den heutigen Ausgaben deutscher Medien zu dem Nahost-Konflikt. Diese schlichtweg falsche Berichterstattung verstärkt das Feindbildschema und suggeriert dem Leser eine völlig falsche Realität vor Ort, erklärt Salah Abdel Shafi, Botschafter Palästinas in Deutschland.

"Die heutige Berichterstattung der deutschsprachigen Medien zeugt bedauerlicherweise von fehlender Ernsthaftigkeit oder auch Willen, objektiv und wahrheitsgemäß zu berichten. Es ist zwar richtig, dass Israel zum ersten Mal seit November letzten Jahres Luftangriffe fliegt. Doch wer die Ereignisse vor Ort seit dem zwischen Israel und der Hamas im November vereinbarten Waffenstillstand kontinuierlich verfolgt, weiß wohlweislich, dass ein Waffenstillstand anders aussieht.

Von Ende November bis Ende Februar tötete Israel im Gaza-Streifen vier Palästinenser und verletzte 91. Seit dem Waffenstillstand schossen israelische Soldaten 63 Mal auf palästinensische Zivilisten und 30 Mal griff die israelische Marine palästinensische Fischer an. Nicht zuletzt, insgesamt 13 Mal drangen israelische Truppen in den Gaza-Streifen ein.

Diese Zahlen wurden nicht nur von palästinensischen Quellen erhoben, sondern sind für die Öffentlichkeit auch auf den Seiten des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) allgemein zugänglich.

Aus dem Gaza-Streifen erfolgten angesichts dieser Gewalttaten keine Reaktionen, sodass diese israelischen Angriffe, um im deutschen medialen Jargon zu sprechen, keine Vergeltungsschläge sind. Sie sind in der Tat israelische Provokationen zur Förderung neuer Eskalationen.

Zentrale Aufgabe eines Mediums ist neben einer Kritik- und Kontrollfunktion auch die umfassende Informationsvermittlung sowie das Aufbrechen von Schwarz-Weiß-Strukturen. Denn der Journalismus ist verpflichtet, Gegebenheiten zu hinterfragen, Kritik zu üben und Missstände aufzudecken.

Über die zahlreichen Waffenstillstandsbrüche seitens Israels zu berichten, wäre die Aufdeckung eines Missstandes sowie das Hinterfragen von Gegebenheiten. Die Glaubwürdigkeit der deutschen Medienlandschaft wird bedauerlicherweise durch gebetsmühlenartig wiederholte einseitige Schuldzuweisungen untergraben."

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