Generaldelegation Palästinas
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Medienpräsenz -
Presse
Kleines, zerrissenes, unglückliches Land
Die Tagesschau liefert täglich schreckliche Bilder: Die Palästinenser bekriegen sich derzeit mit äußerster Brutalität – Hamas gegen Fatah. Die Autonomiebehörde, in der beide Gruppen zusammen arbeiten sollten, ist praktisch nicht mehr existent. Die absolut prekäre Situation in Palästina war schmerzhaft präsent, als HNP-Mitarbeiter Peter Slama mit dem Generaldelegierten in Berlin, also quasi dem Botschafter Palästinas Hael Al-Fahoum sprach.
Nehmen wir einmal an, Herr M. aus P. möchte gerne von H. nach G fahren, um seine 85jährige Großmutter zu besuchen. Dann könnte er sich in sein Auto setzen oder den Bus nehmen und die 45 km dorthin fahren. Kann er aber nicht: M. lebt in Palästina. H. und G. sind auch dort, nämlich in der Westbank und dem etwa anderthalb Autostunden entfernten Gazastreifen. Doch zwischen Westbank und dem am Mittelmeer gelegenen Gaza-Streifen liegt Israel. Und Israel lässt Palästinenser wie M. wieder mal nicht zu ihren Großmüttern, Arbeitgebern oder wohin auch sonst. Aber das ist eine andere Geschichte; und wir haben davon nur angefangen, weil wir die von Herrn Hael Al-Fahoum aufschreiben möchten. Al-Fahoum ist nämlich auch Palästinenser und seit letztem Jahr „Generaldelegierter“ Palästinas in Deutschland mit Dienstsitz Berlin.
Ein Sechstel von NRW
Es ist ein zerrissenes kleines Land, just 6225 qkm groß. Der 54-jährige repräsentiert ein Land, das knapp ein Sechstel der Fläche von Nordrheinwestfalen (34.000 qkm) ausmacht. Seinen Job verdankt der studierte Biologe und Chemiker mit einer mehr als 20jährigen diplomatischen Erfahrung für sein Land einer Initiative der Arabischen Liga. Sie gründete 1964 die PLO (Palestine Liberation Organization). Als Dachverband repräsentiert sie Palästina. Ihre rechtliche Grundlage basiert auf der von der PLO formulierten palästinensischen Nationalcharta.
Die erste Vertretung in Europa wurde 1970 in Bonn eröffnet und entwickelte sich von einer Informationsstelle zu einer Interessenvertretung der Palästinenser in Deutschland. Maßgeblich daran beteiligt ist Al-Fahoums Vorgänger Abdallah Frangi, der seit '06 in Gaza lebt. Heute ist die PLO „die einzige legitime Vertreterin des palästinensischen Volkes und direkt unserem Präsidenten Mahmud Abbas unterstellt“.
Die Generaldelegation hat zwar keinen Botschaftsstatus, faktisch jedoch die Funktion und die Aufgaben einer offiziellen Gesandtschaft. „Als Gesandter Palästinas“, so Al-Fahoum, „wurde ich im Kollegenkreis von Anfang an freundschaftlich und kollegial aufgenommen. Uns verbindet gegenseitiger Respekt und der Wille zur Zusammenarbeit“. Wobei dies nicht immer leicht ist, wie man sich mit Blick auf die Entwicklungen im Nahen Osten vorstellen kann.
Botschafter Al-Fahoum arbeitet am weiteren „Aufbau der Kooperation und Verständigung zwischen Palästina und Deutschland und der nachhaltigen Stärkung und Erweiterung der offiziellen, wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen“. Konkret heißt das u. a., dass sein Haus sich um die rund 120.000 Landsleute hier kümmert. „Nicht mitgerechnet sind die Eingebürgerten, die hier Geborenen oder die aus Drittländern einreisen. Die werden unter andere Nationalitäten oder als Staatenlose registriert“.
Deutschland hilft
Auf die Lage zu Hause angesprochen, wird er deutlich. Hier verhindere die seit 1967 andauernde israelische Besatzung eine natürliche Entwicklung der gesamten Lebensbereiche und unterbinde alle wirtschaftlichen sowie sozio-kulturellen Wachstumsprozesse gänzlich. „Faktoren hierfür sind: der gewaltsame Bodenraub, der illegale Bau der jüdischen Siedlungen, die israelische Kontrolle der palästinensischen Wasserressourcen, die über 650 errichteten Checkpoints, die die Bewegungsfreiheit von Menschen und Waren beeinträchtigen. Und schließlich der Bau der 700 km langen Apartheid-Mauer auf palästinensischem Boden.
Seit langem positiv und wirklich in trockenen Tüchern: die deutsch-palästinensischen Beziehungen. Hier sind regelmäßige Begegnungen zwischen deutschen Regierungs- oder Oppositionsvertretern und der Generaldelegation auf der Tagesordnung. „Kontinuierlich unterstützt die Bundesrepublik finanziell unser Land und pflegt auch vor Ort, mit ihrer Vertretung in Ramallah, die sehr guten gegenseitigen Beziehungen“.
„Hartes Schicksal“
Doch darauf fällt ein Schatten, denn „die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist nicht immer vollständig über die Ausmaße der Leiden des palästinensischen Volkes informiert. Es entsteht ein verzerrtes Bild von uns, sodass viele unserer gerechten Anliegen verloren gehen. Wir hoffen, dass dies sich baldmöglichst ändert und die Wahrheit ausgesprochen und nicht weiter geschwiegen wird“.
Botschafter Al-Fahoum vermißt in Berlin einzig das „schöne warme Wetter“ seiner Heimat. „Das dynamische, aktive und freie Leben hier, insbesondere die vielfältigen Kulturangebote wie zahlreiche Museen oder auch Konzerte in Berlin, sind natürlich einmalig. Diese Attraktivität ist ein willkommener Ausgleich und erleichtert einem das Einleben“.
Und dann lobt der Botschafter unser Land: „Die Dynamik von Wirtschaft und Wissenschaft sowie die institutionelle Ordnung und Produktivität in Deutschland sind beeindruckend“.
Das schätzen und genießen Hael Al-Fahoum und seine Frau Ferial, eine gelernte Ingenieurin mit großem Interesse für Archäologie – vielleicht weil sie das krasse Gegenteil im eigenen Lande erleben. „Den größten Einfluss auf mein Leben hat immer das harte Schicksal meines Volkes gehabt, das arm ist und seit Jahrzehnten um Unabhängigkeit, Eigenstaatlichkeit, Menschenrechte kämpft“. Ansonsten leben die beiden wie andere Diplomaten in Berlin auch. Die spärliche Freizeit verbringt man mit Freunden, den drei erwachsenen Kindern, wenn sie denn mal da sind, geht spazieren, ins Konzert.
Heidenheimer Neue Presse 16. Juni 2007 Medienpräsenz - Presse vom 02.07.2007