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Generaldelegation Palästinas
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Chaos durch gesetzlose Gruppierung

Das Leben unter Besatzung, wirtschaftliche Verluste sowie Israels Weigerung, Frieden zu schließen, führte zu einer tiefen Entschäuschung innerhalb der palästinensischen Bevölkerung. Der Generaldelegierte Palästinas, Hael Al-Fahoum, erklärte im folgenden Interview die Gründe für die aktuelle Situation. Die Fragen stellte der Journalist Rainer Kabbert.

Wie kam es zum Ausbruch von Gewalt zwischen Hamas und Fatah in Gaza?

Es gibt viele Gründe. Mit der Wahl des Fatah-Repräsentanten Mahmud Abbas zum palästinensischen Präsidenten war auch ein politisches Programm für den Friedensprozess verbunden. Israel aber behauptete, keinen Partner für diesen Prozess zu haben. Das führte zur Enttäuschung in der palästinensischen Bevölkerung, denn sie lebte weiter unter der Besatzung und leidet unter den wirtschaftlichen Verhältnissen. Bei den folgenden Parlamentswahlen hatte die Hamas dann die meisten Stimmen bekommen und stellte die Regierung.

Und gegensätzliche Programme von Hamas und Fatah führten zur Eskalation?

Die internationale Staatengemeinschaft isolierte und sanktionierte die Hamas-Regierung. Der Boykott führte zu einem Kollaps der gesamten Infrastruktur und verstärkte die Leiden und die Hoffnungslosigkeit der Bevölkerung. Daraus entwickelte sich das Chaos.

Warum bekriegen sich Hamas und Fatah?

Auch die Hamas-Minister fordern das Ende der Konflikte zwischen beiden Bewegungen. Gesetzlose Milizen sind in Gaza aktiv. Diese Gesetzlosen zerstörten nicht nur Häuser der Fatah-Mitglieder, sondern auch staatliche Institutionen, Schulen, Krankenhäuser und Radiosender. Diese Gruppen agieren nicht im Sinne der palästinensischen Interessen. Denn mehr als 70 Prozent der Bevölkerung sind für Frieden, und drei Viertel aller Menschen akzeptieren die internationalen Verträge für den Nahen Osten.

Welche Rolle spielen die Hamas-Minister?

Sie ignorieren die Realität und verlieren ihre Legitimität. Wir haben nur eine Regierung - und das ist die Notstandsregierung von Salam Fajjad im Westjordanland.

Was ist zu tun?

Es geht um zwei Ansätze: Das politische Programm von Präsident Abbas und das der Hamas. In Präsidentschafts- und Parlamentswahlen muss über diese Programme entschieden werden. Wir brauchen keine Slogans, sondern Lösungen, denn unser Volk leidet seit mehr als 50 Jahren. Das Volk soll entscheiden: Will es diese militanten Gruppen an der Macht oder will es sinnvolle Lösungen für die Zukunft unserer Kinder?

Was erwarten Sie von der EU?

Sie soll ihre Deklarationen beenden und Druck auf die politischen Akteure der Region ausüben, damit das Chaos in den palästinensischen Gebieten beendet wird. Europa hat viel getan, aber es muss noch sehr viel mehr getan werden. Wir brauchen Europa als Partner im Friedensprozess, nicht als Aufpasser.



Weser Kurier; 19. Juni 2007
Medienpräsenz - Presse vom 19.06.2007

19.06.2007
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