Generaldelegation Palästinas
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Medienpräsenz -
Presse
Hael Al-Fahoum:
Zu den Ereignissen
in Jericho und im Gazastreifen
Nachdem gestern Abend israelische Besatzungstruppen das Gefängnis in Jericho angriffen und anschließend durch gezielten Beschuss sowie Einsatz von Bulldozern zerstörten, um sechs Inhaftierte selbst festzunehmen, kam es zu Protesten, Demonstrationen, Entführungen und Übergriffen auf internationale Institutionen in den palästinensischen Gebieten. Bisherige traurige Bilanz: mindestens drei Tote und ein erneutes Aufflammen der Gewalt. In einem Interview mit dem ZDF-Morgenmagazin äußert sich der Palästinensische Generaldelegierte, Hael Al-Fahoum, zu den Ereignissen in Jericho und im Gazastreifen:
Ihr Präsident Mahmoud Abbas war gerade in Wien, um über Hilfen für die Palästinenser zu beraten und ist jetzt aufgrund der Krise überstürzt abgereist. Macht diese neue Gewaltwelle nicht jede Aufbauchance schon wieder zu Nichte?
Al-Fahoum: Die Situation ist sehr schwierig und sie kann den Friedensprozess im Mittleren Osten beeinflussen. Aber wir haben eine Vision, die sich auf ein Zusammenleben der Palästinenser und der Israelis konzentriert. Was jetzt in der Westbank und im Gaza-Streifen passiert ist leider eine sehr konfuse Situation. Wir haben diese Situation nicht erwartet. Wir haben nicht erwartet, dass die Israelis weiterhin in Militäroperationen investieren. Wir sind dabei Frieden in der Region voranzubringen. Und sogar die kleinen Schritte vorwärts sind positiv. Aber die Israelis verfolgen eine sehr aggressive Politik; es ist eine Politik, die die Saat für den Friedenprozess zerstört.
Herr Al Fahoum, Sie sagen, dass im Moment die Situation sehr konfus ist. Versuchen wir doch es ein wenig aufzusplittern. Fangen wir mit dem an, was wir gerade gesehen haben - die Bilder von Ausländern im Gaza-Streifen, die gegen ihren Willen entführt und festgehalten werden. Warum haben palästinensische Sicherheitskräfte sie nicht geschützt?
Al-Fahoum: Die Westbank und der Gaza-Streifen sind vollständig unter israelischer Besatzung. Und das ist unabhängig davon zu sehen, dass die Israelis den Gaza-Streifen verlassen haben. Wir befinden uns immer noch unter der Gewalt der israelischen Armee. Die Stabilität ist immer noch sehr brüchig. Die Polizeikräfte haben nicht die Mittel, die Sicherheit zu garantieren. Was wir in Ihrem Bericht aus Gaza gesehen haben, sind Minderheiten, die gegen die Gesandten der Europäischen Union vorgegangen sind. Und sie wurden von der palästinensischen Autorität verurteilt.
Trotzdem, Sie sagen es ist eine Minorität und trotzdem ist es passiert und trotzdem sind immer noch Ausländer jetzt in der Gewalt und werden gegen ihren Willen festgehalten. Sie sagen, die palästinensische Polizei kann nicht viel dagegen tun, aber sie steht ja in der Verantwortung und muss für die Sicherheit in den Palästinenser-Gebieten sorgen.
Al-Fahoum: Ja, in der Tat, aber sie brauchen dafür die Mittel. Die EU und die arabischen Länder haben versucht zu vermitteln, damit die Polizeikräfte diese bekommen, um die Stabilität in dieser Region zu garantieren. Aber Israel hat das abgelehnt. Wenn sie genau wissen wollen, was vor Ort passiert, dann müssen sie dahin gehen. Sie müssen sehen wie die Gesellschaft leidet […]. Wir können die Stabilität und die Sicherheit in dieser Region nicht garantieren. Wir haben dies schon in der Vergangenheit gesehen, als Präsident Abbas vor den Wahlen der Polizei Anweisungen gab, die Sicherheit zu garantieren. Im Westjordanland, in Nablus und Ramallah zum Beispiel und die israelische Armee ist in beide Städte einmarschiert und hat all diese Maßnahmen zu Nichte gemacht.
Helfen Ihnen diese Bilder ,die jetzt rund um die Welt gezeigt werden dabei, mehr Hilfe für die Palästinenser zu bekommen?
Al-Fahoum: Das ist nicht die Frage. Es geht nicht darum, ob das nützlich ist oder nicht. Wir sind gegen diese Bewegung der Minderheit der Palästinenser. Was wir wirklich brauchen ist ein Beitrag, der die Situation stabilisieren kann. Wir müssen damit den Weg ebnen für
eine Verhandlung, in der sowohl israelische als auch palästinensische Interessen berücksichtig werden. Beide Seiten haben Rechte. Wir müssen sowohl, was die Palästinenser fordern wie auch was die Israelis fordern, berücksichtigen. Wir können nicht einseitig über die Anerkennung eines Staates reden, ohne den anderen auch anzuerkennen.
Palästina braucht die Souveränität und muss sich wirtschaftlich entwickeln können. Sie müssen Sicherheit genießen wie die Israelis sie genießen. Wir dürfen es nicht zulassen, dass eine kleine Minderheit von beiden Seiten, uns in die Spirale der Gewalt führt. Wir suchen den Frieden und wir wollen mit unseren israelischen Nachbarn leben. in einem miteinander leben – gemeinsam mit unseren israelischen Nachbarn. Ich glaube über 70 Prozent der Israelis sind auch für den Frieden. Wir dürfen es nicht zulassen, dass die Minderheiten beider Seiten uns ins Chaos führen.
ZDF-Morgenmagazin 15. März 2006 Medienpräsenz - Presse vom 15.03.2006