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Hael Al-Fahoum:
Interview mit dem Generaldelegierten Palästinas
In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau formuliert der neue Generaldelegierte Palästinas in Deutschland, Hael Al-Fahoum, die mit seiner zu Beginn d. J. übernommenen Tätigkeit verbundenen Herausforderungen und Ziele im Kontext der stattgefundenen Parlamentswahlen – eine positive Beziehung zwischen Palästina und Deutschland zu entwickeln sowie das Langzeitziel, eine Verbesserung der Situation im Nahen Osten, nicht aus den Augen zu verlieren und nicht zuletzt der Appell an Deutschland gute Bedingungen zu schaffen, um die Partner im Friedensprozess anzuschieben.
"Hamas muss Verträge einhalten"
Viele internationale Politiker sind vom Wahlergebnis geschockt. Sie auch?
Hael Al-Fahoum: Nein. Ich verstehe zwar, dass internationale Kreise geschockt sind. Aber ich sehe die positive Seite: Die Wahl war ein fairer demokratischer Prozess und ich freue mich sehr über die Reife der Leute, eine Regierung zu wählen. Das ist etwas Neues für uns gewesen und zeigt, dass sich etwas verändert hat. Das ist sehr wichtig für die Zukunft unseres Volkes und des Staates.
Aber Hamas ist doch eine Terrororganisation?
Fahoum: Hamas hat als Partei am demokratischen Prozess teilgenommen und wird sich nun an die demokratischen Spielregeln halten müssen. Sonst werden sie sich selbst und der palästinensischen Gesellschaft schaden.
Befürchten Sie, dass Hamas Sie aus Deutschland abziehen wird?
Fahoum: Nein, denn ich bin ja von der Autonomiebehörde nominiert worden. Da spielt es dann auch keine Rolle, ob ich Fatah-Mitglied bin oder nicht. Denn ich bin in Deutschland, um das Interesse aller Palästinenser zu vertreten. Ich bin hier, um eine positive Beziehung zwischen Palästina und Deutschland zu entwickeln.
Wird es eine Veränderung der deutsch-palästinensischen Beziehungen geben?
Fahoum: Es gibt gemeinsame Interessen diese positive Beziehung weiterzuführen. Wir arbeiten nicht für die palästinensischen Parteien, sondern versuchen, mit Deutschland zusammen das Langzeitziel zu erreichen, dass sich die Situation im Nahen Osten verbessert.
Was erwarten Sie jetzt von der deutschen Regierung?
Fahoum: Ich ermuntere die deutsche Regierung, gerade jetzt viel zu tun, um den Friedensprozess zu unterstützen und wirtschaftlich mit uns zusammen zu arbeiten. Das ist keine Sache, die man in 24 Stunden erledigt. Es ist sehr wichtig, dass Deutschland jetzt weiterhin eine positive Rolle spielt und gute Bedingungen schafft, um die Partner im Friedensprozess anzuschieben. Das sollte auch im deutschen Interesse sein.
Wird die EU Ihnen die Beihilfen streichen?
Fahoum: Das denke ich nicht, denn nach der Wahl muss nun auch Hamas in den Friedensprozess eingebunden werden. Außerdem wäre es Unsinn, die Palästinenser für ihre Wahl zu bestrafen. Umfragen haben gezeigt, dass die Palästinenser eine friedliche Lösung wollen basierend auf der internationalen Zwei-Staaten-Vereinbarung. Falls die EU diese Lösung auch will, sollte sie weiter jede Form von Unterstützung gewähren.
Wie wird sich Hamas bei Verhandlungen mit den USA und Israelis verhalten?
Fahoum: Das müssen wir abwarten. Wenn Israel oder die USA die Hand ausstrecken, sollten wir mit ihnen sprechen. Man muss auch Lösungen mit seinem Feind finden.
Gilt das auch für Hamas?
Fahoum: Ja, das gilt auch für Hamas. Das gilt für jeden.
Wird Hamas pragmatischer?
Fahoum: Hamas steht nun in der Verantwortung, sich verstärkt um innere Angelegenheiten wie das Sozialwesen kümmern zu müssen. Das wird eine neue Erfahrung und nicht einfach werden. Ich bin gespannt.
Wird Hamas das Existenzrecht Israels anerkennen?
Fahoum: Das wird sie sehr bald tun müssen, wenn sie mit Israel zu einer Lösung kommen will. Die PLO hat ja internationale Friedensverträge mit Israel wie etwa die Roadmap unterzeichnet. Daran muss sich auch die neue Regierung halten - egal welcher Partei. Das hat auch Präsident Mahmoud Abbas nochmal bestätigt.
Am Wochenende kam es zu Ausschreitungen. Könnte es zu einem Bürgerkrieg kommen?
Fahoum: Nein, das ist völlig ausgeschlossen. Da mag es zu der einen oder anderen Auseinandersetzung kommen - was ja normal ist - weil einige Menschen sich freuen und andere nicht. Aber ich denke nicht, dass eine der palästinensischen Parteien einen Bürgerkrieg anfängt.
Interview: Fabian Löhe
Frankfurter Rundschau 30. Januar 2006 Medienpräsenz - Presse vom 07.02.2006
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07.02.2006
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