| Seit Beginn des Friedensprozesses
ist die EU einer der wichtigsten Partner der palästinensischen
Regierung beim Aufbau eines unabhängigen Staates. Für Palästinenser
resultiert die enorme Bedeutung der Zusammenarbeit nicht nur aus den
finanziellen Hilfen der EU - sie gehört zu den größten
Gebern - sondern auch aus der bedeutenden politischen Rolle der EU
und nicht zuletzt auch aus der geographischen Nähe.
Eine gesamteuropäische Unterstützung der Palästinenser
begann erstmals im Jahr 1971 im Rahmen der United Nation Relief
and Work Agency for Palestine Refugees ( UNRWA ). Diese europäische
Unterstützung der UNRWA dauert bis heute an. Über die
Verwendung der EU-Gelder, die den palästinensischen Flüchtlingen
in Jordanien, Syrien, Libanon, der Westbank und dem Gazastreifen
zukommen, entscheiden EU und UNRWA gemeinsam.
1980 unterzeichneten die Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft
die Erklärung von Venedig, deren wichtigste Aussage darin bestand,
das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung zu unterstützen.
Im vierten Abschnitt der Erklärung heißt es wörtlich:
"Das Palästinenserproblem, bei dem es sich nicht lediglich
um ein Flüchtlingsproblem handelt, muss endlich eine gerechte
Lösung finden. Das palästinensische Volk, das sich bewusst
ist, als solches zu existieren, muss in die Lage versetzt werden,
durch einen geeigneten und im Rahmen der umfassenden Friedensregelung
definierten Prozess sein Selbstbestimmungsrecht voll auszuüben."
Rasch wurden mit vielen Nichtregierungsorganisationen Projekte
beschlossen, die in den verschiedensten Feldern tätig waren,
so z. B. in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft oder Bildung.
Kurz nach der Unterzeichnung der Prinzipienerklärung am 13.
September 1993 wurde in Washington eine Konferenz der Geberländer
abgehalten, bei der man sich darauf einigte, den palästinensischen
Gebieten mit einer Summe von 2 Mrd. US$ einen baldigen wirtschaftlichen
Aufbau zu ermöglichen. Zum Erreichen dieser hohen Summe trug
auch die EU maßgeblich bei. Die EU sicherte für die Jahre
1994 - 1998 500 Mio. Euro zu.
Entwicklungskonzepte
Aufgrund der weitgestreuten Hilfen, die von verschiedenen Organisationen
an die palästinensischen Gebiete geleistet werden, entschied
die EU, sich auf drei entscheidende Bereiche zu konzentrieren: politische,
institutionelle und ökonomische Unterstützung.
Die Schwerpunkte der europäisch - palästinensischen Entwicklungsstrategie
liegen in dem Auf- und Ausbau und der Modernisierung der Infrastruktur,
im Aufbau einer High-Tech-Industrie, der Ansiedlung einer Leicht-
und Veredelungsindustrie, in der Modernisierung der Landwirtschaft
mit dem Ziel der Wassereinsparung und in der Entwicklung eines umfassenden
Tourismuskonzeptes. Grundlage für eine nachhaltige wirtschaftliche
Entwicklung ist eine ausreichende und gut funktionierende infrastrukturelle
Ausstattung mit Straßen, Telekommunikation sowie Wasserver-
und -entsorgungseinrichtungen.
Industrie und Dienstleistungssektor
Gemeinsam mit der Unterstützung der EU soll versucht werden,
den Anteil des Industriesektors von derzeit 8% des Bruttosozialprodukts
kontinuierlich zu erhöhen. In Zusammenarbeit mit der EU plant
die palästinensische Regierung den Bau von Industrieparks,
um der palästinensischen Wirtschaft neue beschäftigungswirksame
Impulse zu geben. Neue und moderne Wirtschaftszweige, wie z. B.
Dienstleistungsbranchen, Versicherungs- und Bankenwesen oder Softwareentwicklung
sollen den vielen palästinensischen Akademikern die Arbeit
beschaffen, die ihnen durch die Jahrzehnte währende Besetzung
verwehrt wurde.
Landwirtschaft
Die palästinensische Landwirtschaft, die mit 22% einen verhältnismäßig
hohen Anteil am Bruttosozialprodukt hat, gehört zu den produktivsten
Sektoren. Die Zukunft der Landwirtschaft ist jedoch bedroht, da
die israelische Seite sich nach wie vor gegen eine gerechte Ausweitung
der palästinensischen Wasserrechte wendet. Gemeinsam mit der
EU versucht die palästinensische Regierung diese Hindernisse
aus dem Weg zu räumen. Darüber hinaus unterstützt
die EU den Bau von Kühlräumen und -häusern, um mit
der knappen Ressource Wasser sparsam zu wirtschaften.
Gute Zukunftsaussichten - da die Potenziale noch lange nicht ausgeschöpft
sind - hat der Fremdenverkehr, mit seinen religiösen und archäologisch
sehr reizvollen Stätten. An den Konzepten für die dafür
benötigte Infrastruktur und für die ökologische Komponente
des Tourismus arbeiten die palästinensische Regierung und die
EU gemeinsam. Darüber hinaus gibt es von der EU unterstützte
Programme, die die Eingliederung von Frauen in das Berufsleben erleichtern
sollen oder auch behinderten Menschen eine selbständige Arbeit
bieten.
Projekte der EU-Mitgliedsstaaten
Hilfen
Die EU strebt bei der Verteilung der Gelder an, diese Hilfen in
zwei Großbereichen anzusiedeln:
1. Direkte Hilfen für den Haushalt der palästinensischen
Behörde
Mit dieser Unterstützung werden z. B. viele öffentliche
Angestellte entlohnt. Die EU trägt damit erheblich dazu bei,
daß die für eine Demokratie wichtigen Verwaltungsstrukturen
und Institutionen aufgebaut werden können.
2. Projektgebundene Hilfen
Exemplarisches Beispiel für eine solche Hilfe war die Errichtung
des Gaza Airport, der ein wichtiges Symbol für den Aufbau einer
modernen palästinensischen Infrastruktur ist. Bei solchen projektgebunden
Hilfen ist die EU nur einer - wenn auch ein wichtiger - von vielen
Gebern. Eine weitere Aufgabe der EU bestand darin, die Hilfen für
das gesamte Projekt effizient und ohne großen Verwaltungsaufwand
zu steuern.
Finanzielle Unterstützung
EU - Hilfen seit 1987 in Mio.Euro
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1987:
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56.5
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1991:
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36.0
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1995:
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113.4
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1988:
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27.0
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1992:
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143.6
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1996:
|
116.5
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1989:
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27.6
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1993:
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53.2
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1997:
|
71.0
|
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1990:
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34.9
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1994:
|
93.6
|
1998:
|
34.0
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Die Höhe der Gelder ist abhängig von der zeitlichen Realisierung
von Projekten, der Lage eventueller Friedensverhandlungen aber teilweise
auch vom Wille der israelischen Seite, da sie verschiedene Projekte
durch ihre Blockadehaltung abschmettern kann.
Handel
Seit 1997 haben die Palästinenser mit der EU freie Handelsabkommen
geschlossen, so dass die in den palästinensischen Gebieten
produzierten Produkte in diesen wichtigen Markt beliefern können.
Die palästinensische Handelsbilanz mit der EU liegt im defizitären
Bereich, gibt jedoch aufgrund der Größe der europäischen
Wirtschaft und dem schrittweisen Ausbau einer leistungsstarken palästinensischen
Wirtschaft keinen wirklichen Anlaß zur Beunruhigung. Doch
nimmt die Außenwirtschaft im Bruttosozialprodukt einen zu
großen Platz ein - ungefähr 9% sind Exporte, 40% Importe.
Damit sind zu große Bereiche der Wirtschaft von der hin -
und herschwankenden Weltwirtschaft abhängig.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken - der zu großen Abhängigkeit
der palästinensischen Wirtschaft auf der Importseite und die
weit unter ihren Kapazitäten arbeitenden Exportbranchen - hat
die EU gemeinsam mit der PA ein Programm aufgelegt, dass palästinensische
Exporteure im Umgang mit Steuern, Zöllen Ein- und Ausfuhrmodalitäten
schulen soll.
Eine für palästinensische Exporteure sehr wichtige Handelserleichterung
ist der Export von landwirtschaftlichen Produkten, die dafür
nur 40 - 80% der regulären Zölle zahlen müssen oder
auch die Möglichkeit, industrielle Fertigprodukte ohne Einfuhrquoten
auf den europäischen Mark zu exportieren. Da aber fast 95 %
aller palästinensischen Ausfuhren Kautschukwaren sind, kann
von diesen Handelserleichterungen noch nicht spürbar profitiert
werden.
Hemmnisse und Schwierigkeiten
Schwierigkeiten bereitet vor allem die systematische Verletzung
von europäisch-israelischen, europäisch - palästinensischen
und israelisch - palästinensischen Handelsabkommen durch die
israelische Seite:
1. Palästinensische Produkte wie Schnittblumen oder Fruchtsaft
werden durch israelische Subkontraktor als "Made in Israel"
nach Europa exportiert, obwohl diese zu 100% palästinensische
Produkte sind.
2. Israelische Unternehmen in den Bereichen Textil, Schuhe und
Leder importieren aus der EU Rohmaterialien, lassen diese bei palästinensischen
Firmen verarbeiten, um die Produkte dann als "Made in Israel"
nach Europa zu exportieren.
3. Produkte aus Siedlungen in der Westbank, dem Gazastreifen und
den Golanhöhen werden als "Made in Israel" nach Europa
exportiert, obwohl diese Gebiete nach den Prinzipien des Völkerrechts
besetzte Gebiete sind und nicht zum Staat Israel gehören.
Angesichts dieser Vertragsbrüche hat die EU-Kommission dem
europäischen Ministerrat empfohlen, israelische Produkte aus
den Siedlungen in der Westbank, dem Gazastreifen und den Golanhöhen
von den Handelsvergünstigungen der EU auszuschließen.
Europäisch - palästinensische Arbeitsgruppen sind sich
dieser Probleme bewusst und versuchen darauf hinzuarbeiten, die
israelischen Verstöße zu beenden, die palästinensische
Wirtschaft unabhängiger zu machen, die Importquote zu senken,
die Exportpalette zu diversifizieren, die Exporte zu erhöhen,
um so die defizitäre Außenhandelsbilanz schrittweise
zu senken. Die EU unterstützt verschiedene Bestrebungen, in
der Region des Nahen Ostens bilaterale Handelsabkommen abzuschließen.
Auch fördert sie die Gespräche zwischen der palästinensischen
Regierung, Ägypten, Jordanien und Israel zur Schaffung eines
großen Binnenmarktes - der europäische Binnenmarkt dient
bei den Gesprächen als Vorbild.
Perspektiven
Die EU wird auch für die zukünftige Entwicklung der palästinensischen
Gebiete eine wichtige Rolle spielen, in dem sie mit ihrem finanziellen,
logistischen und fachlichen Potenzial die palästinensischen
Gebiete unterstützt. Um gemeinsam mit den anderen Gebern auch
für die Zukunft eine bestmögliche Verteilung der Hilfen
zu gewährleisten, wird sie gemeinsam mit der PA einen Entwicklungsplan
für die kommenden Jahren entwerfen. Darüber hinaus fördert
sie die Schaffung einer besonderen Arbeitsgruppe, die sich aus der
PA, den wichtigsten Gebern ( EU, Japan, USA ), den United Nations
Special Coordination Office ( UNSCO ), der Weltbank und dem Internationalen
Währungsfond ( IWF ) zusammen setzen. Auch dieser Vorschlag
soll zur bestmöglichen Verteilung der Gelder dienen.
Damit die Entwicklung der palästinensischen Gebiete nicht
isoliert von der gesamten Region betrachtet wird, ist eine Integration
der palästinensischen Gebiete in den gesamten Nahen Osten und
eine noch stärkere Anbindung zu dem europäischen Markt
aber auch die gesamte Einbindung des Nahen Osten in europäische
Überlegungen erforderlich.
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