Unter den Gebern befindet sich Deutschland hinsichtlich des finanziellen
Beitrags an siebter Stelle. Seit Ausbruch der zweiten Intifada ist
eine Verschiebung zu mehr entwicklungsorientierter Not- und humanitärer
Hilfe zu verzeichnen.
Die Zusagen der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) belaufen
sich im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit (FZ) seit 1994 auf
ca. 318 Mio. Euro. Die technische Zusammenarbeit (TZ) i.e.S. umfasst
Zusagen seit 1982 mit einem Volumen von ca. 101 Mio. Euro. Gemessen
an der pro Kopf-Förderung liegen die Palästinensischen
Gebiete an der Spitze der Empfänger deutscher EZ.
Die deutsche EZ hat seit Ausbruch der zweiten Intifada schrittweise
ihre laufenden Vorhaben wo nötig an die aktuellen Bedingungen
vor Ort angepasst. Zwar können einige Investitionsprojekte
aufgrund der Rahmenbedingungen (Ausgangssperren, militärische
Auseinandersetzungen, etc.) derzeit nicht wie geplant umgesetzt
werden. In anderen Vorhaben sind jedoch erfreuliche Fortschritte
erzielt worden, die es aktiv zu unterstützen gilt.
Um auf kurzfristige Bedürfnisse der Bevölkerung reagieren
zu können, werden in der FZ verstärkt beschäftigungsintensive
Maßnahmen zum Ausbau und zur Wiederherstellung von Basisinfrastruktur
durchgeführt. Die Bundesregierung stabilisiert damit die soziale
Situation vor Ort und trägt dazu bei, die Chancen einer politischen
Lösung des Konfliktes aufrechtzuerhalten.
FZ und TZ i.e.S.
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1997
|
1998
|
1999
|
2000
|
2001
|
2002
|
2003
|
| FZ |
28,12
|
51,13
|
44,48
|
35,79
|
41,93
|
41,6
|
34,0
|
| TZ |
7,67
|
6,85
|
6,65
|
8,69
|
5,11
|
8,61
|
6,0
|
| Ges. |
35,79
|
57,98
|
51,13
|
44,48
|
47,04
|
50,21
|
40,0
|
Das umfangreiche FZ-Programm ist auch deshalb darstellbar, weil
1996 Mittel in Höhe von jährlich ca. 71 Mio. Euro, die
bis dahin an Israel gingen, im Einvernehmen mit der israelischen
Regierung zu einem Regionalfonds umgewidmet wurden. Aus diesem Fonds
werden Vorhaben unterstützt, die direkt oder indirekt den Friedensprozess
fördern und zum Zusammenwirken der Länder der Region beitragen.
In der Zusammenarbeit mit den palästinensischen Gebieten wird
in diesem Zusammenhang hauptsächlich der Wasser- und Abwasserbereich
gefördert. Sofern es die politischen Rahmenbedingungen zulassen,
könnten auch gemeinsame grenzübergreifende Vorhaben wie
Industrieparks gefördert werden.
Schwerpunktbereiche
In der EZ mit den palästinensischen Gebieten werden drei
Bereiche schwerpunktmäßig gefördert:
a.) Wasser/Abwasser/ Abfall
b.) Wirtschaftsreform/Beschäftigung
c.) Institutionenförderung
a.) Wasser/ Abwasser/ Abfall
Angesichts der Wasserknappheit und der Nutzungskonflikte im Wassersektor
ist die Zielsetzung deutscher EZ die Sicherung eines integrierten
ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen Wasserressourcenmanagements.
Der Ansatz zielt insbesondere auf eine effizientere und schonende
Nutzung der knappen Ressource Wasser. Bei der Wasserversorgung sollen
die administrativen und technischen Verluste deutlich reduziert
werden. Beim Abwasser wird der Ausbau und –wo möglich-
die Rehabilitierung der Leitungsnetze und Kläranlagen, die
Erhöhung des Anschlussgrades an existierende zentrale Kläranlagen
sowie die Mehrfachnutzung von Wasser gefördert. Ein finanziell
nachhaltiger Betrieb wird angestrebt, und damit kostendeckende Tarife
bei möglichst hoher Hebeeffizienz, wobei gleichzeitig auf Sozialverträglichkeit
geachtet wird.
Armutsminderung sowie Konfliktprävention sind wichtige Elemente
des Engagements im Wassersektor. Die langfristige Sicherung des
Zugangs zu einem funktionierenden Wasser-/Abwassersystem für
alle Bevölkerungsschichten ist wesentliches Ziel der Entwicklungszusammenarbeit
im Wassersektor, da ohne ausreichende Grundversorgung eine effiziente
Armutsminderung nicht verwirklicht werden kann.
Durch die Mobilitätsbeschränkungen sowie gewaltsame Auseinandersetzungen
wurde die Entwicklung des Sektors behindert. Die Projektträger
(insbes. palästinensische Städte und Gemeinden) versuchen
weiterhin ihr Möglichstes, die Vorhaben weiter durchzuführen,
um die Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung des Angebots an Basisinfrastruktur
zu ermöglichen. Das Programm wird konzentriert auf die mittlere
und nördliche Westbank (Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung)
und den mittleren Gaza- Streifen (Abwasserentsorgung), um die Signifikanz
und Effizienz des Mitteleinsatzes zu erhöhen.
Die Technische Zusammenarbeit wirkt an der Unterstützung von
Verbandsbildungen im Wassersektor (regionale Ebene) mit, dem Aufbau
eines systematischen, bedarfsorientierten Sektoraus- und Fortbildungsprogramms
(nationale Ebene) und der nationalen Sektorkoordination. Durch den
Aufbau und die Unterstützung leistungsfähiger Institutionen
im Bereich der Wasserver-und Abwasserentsorgung wirkt die TZ komplementär
zur FZ.
Aufgrund des engen Zusammenhangs zwischen der Qualität von
Grundwasser und einer ordnungsgemäßen Abfallbeseitigung
ist die deutsche EZ auch an ausgewählten Standorten im Bereich
der Abfallwirtschaft tätig. In dem gesamten Sektor der Wasser-/Abfallwirtschaft
hat sich die enge Verzahnung der FZ-finanzierten Investitionen mit
Beratungs- und Trägerförderungsmaßnahmen der Technischen
Zusammenarbeit bewährt.
Im Rahmen des Programms zum Ausbau der Wasserinfrastruktur wird
auch die grenzüberschreitende Kooperation gefördert. Durch
die Notwendigkeit der Verständigung dient die Zusammenarbeit
im Wassersektor der Krisenprävention.
Die projektbezogene Abstimmung mit der israelischen Seite konnte
im Jahr 2003 verbessert werden.
b) Wirtschaftsreform/ Beschäftigung
Die Entwicklung des privaten Sektors mit seiner Fähigkeit,
regionale und internationale Märkte bedienen zu können,
ist entscheidende Voraussetzung für die Steigerung des palästinensischen
Wirtschaftswachstums, die Schaffung von mehr Beschäftigung
und damit insgesamt die Sicherung der wirtschaftlichen Lebensfähigkeit.
Um Wachstum und Beschäftigung in Palästina zu erreichen,
setzen Fördermaßnahmen an drei Ebenen an: Bei der staatlichen
Ebene stehen zum einen Vorhaben zur Förderung der materiellen
Infrastruktur im Vordergrund, die insbesondere zur regionalen wirtschaftlichen
Zusammenarbeit beitragen, zum anderen die Beratung bei der staatlichen
Förderung der Privatsektorentwicklung. Mit dem geplanten, aufgrund
der Sicherheitslage derzeit jedoch nicht in Durchführung befindlichen
Projekt „Industriepark Jenin“ sollen staatliche Stellen
und Unternehmen von israelischer und palästinensischer Seite
für die Realisierung eines gemeinsamen Vorhabens zusammengeführt
werden. Auf der Institutionen- und Verbandsebene werden Organisationen
gefördert und beraten. Auf der Unternehmensebene werden Existenzgründungen
initiiert und kleine und mittlere Unternehmen gestärkt. Mit
dem Programm zur Förderung des Berufsbildungssystems wird die
berufliche Qualifizierung verbessert.
Im Rahmen der FZ wird derzeit die Einrichtung eines Kreditgarantiefonds
vorbereitet, mit dessen Hilfe lokalen Banken die Kreditvergabe an
örtliche private Klein- und Mittelbetriebe erleichtert werden
soll.
Mit den Beschäftigungsprogrammen werden ferner armutsorientierte
Maßnahmen sozialer und wirtschaftlicher Basisinfrastruktur
finanziert und Primar- und Sekundarschulen arbeitsintensiv ausgebaut
und rehabilitiert. Damit wird der Zugang v.a. von armen Menschen
zu sozialer Infrastruktur verbessert. Durch die arbeitsintensive
Baudurchführung bekommen Menschen eine kurzfristige Beschäftigung,
was zu einer temporären Linderung von Einkommensarmut führt.
Palästinensische kleine und mittlere Unternehmen der Bauwirtschaft
werden durch die ausschließlich lokal vergebenen Aufträge
gestützt.
c) Institutionenförderung
Die Unterstützung beim Aufbau und der Weiterentwicklung leistungsfähiger,
bürgernaher und demokratisch legitimierter Institutionen ist
ein weiterer Schwerpunktbereich deutscher EZ. Ein wichtiger Partner
sind, neben Institutionen der Autonomiebehörde, hierbei auch
die historisch starken Kommunen. Ausgehend von einer direkten Unterstützung
der kommunalen Versorgungsdienstleistungen (insbes. bei Wasser/Abfall)
werden die Planungs- und Organisationsfähigkeiten der Gemeinden
gestärkt. Darüber hinaus wird auf die finanziellen Engpässe
durch Verbesserung des Haushaltsmanagements der Kommunen reagiert.
Schliesslich wird auch die Bürgerbeteiligung an den Planungs-
und Entscheidungsprozessen der Gemeinden gefördert. Daneben
ist die Unterstützung von NRO‘s zur Stärkung der
palästinensischen Zivilgesellschaft ein zusätzlicher Bereich
der Zusammenarbeit, welcher sich auch auf Vorhaben im Wasser- und
Umweltsektor, der armutsorientierten Beschäftigungsprogramme
sowie der beruflichen Qualifizierung erstreckt. Mit diesem Ansatz
kann eine weitere Interventionsebene (Zielgruppenebene) angesprochen
werden.
2.3 Ausblick auf die künftige Zusammenarbeit
Durchgängig setzen auch andere Geber ihr entwicklungspolitisches
Engagement unter den schwierigen Bedingungen der zweiten Intifada
fort. Die Stabilisierung und, nach Möglichkeit, die Verbesserung
der Lebensbedingungen ist eine wesentliche Voraussetzung für
eine Konfliktlösung, einen dauerhaften Waffenstillstand und
damit ein Ende der Besatzung. Die entwicklungspolitische Zusammenarbeit
setzt daher ihr langfristiges Engagement in den vereinbarten o.g.
Schwerpunkten fort und passt gleichzeitig das Kooperationsprogramm
an die verschlechterten Rahmenbedingungen an, indem beschäftigungsintensive
Infrastrukturmaßnahmen verstärkt und zusätzlich
armuts- und selbsthilfeorientierte Maßnahmen unterstützt
werden. Dies entspricht auch dem Nahost-politischen Engagement Deutschlands,
auch im EU- und internationalem Rahmen. Die Bereitschaft zur Entwicklungszusammenarbeit
ist zugleich ein klares Signal, trotz der Entwicklung in der Region
unvermindert um die Lösung des Nahost-Konfliktes bemüht
zu sein.
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